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INTERVIEW TEIL 2
„Ich mag das schöne Spiel lieber als das schlechte"
Er ist im Herzen ein Spaßfußballer geblieben: Zlatan Ibrahimovic über die Unterschiede zwischen spanischem und italienischem Fußball und über Tiger Woods. Interview Antje Luz.


Zlatan Ibrahimovic

Will Spaß mit dem Ball haben, sitzt aber auch mal drauf: Zlatan Ibrahimovic
Foto Pixathlon


Herr Ibrahimovic, was macht Ihnen auf dem Spielfeld am meisten Spaß?

Fußball spielen! Ich will mit dem Ball Spaß haben, aber das ist nicht immer leicht. Fußball ist heute zu ernst, man muss Dinge tun, um das Resultat zu erreichen.

Legen Sie persönlich mehr wert auf ein schönes Spiel?
Ja. Ich mag das schöne Spiel lieber als das schlechte. Sagen wir's so.

Denken Sie dabei an Spanien?
Man spielt dort eleganter, spielt mehr Fußball. Hier in Italien ist es körperlicher, taktischer, ergebnisbezogen.

Zählt in Spanien das schöne Spiel mehr als das Resultat?
In Spanien, ja, da ist das ganz wichtig, ein schönes Spiel zu liefern. Sie spielen anders als in anderen Ländern. Und dann ist es normal, dass gewinnen am wichtigsten ist. Meiner Meinung nach haben die Italiener zwar die Einstellung, zu gewinnen, aber wie wir gewinnen ist egal. In Spanien dagegen ist es wichtig, mit einem schönen Spiel zu gewinnen und alles beide zu haben.

Könnte der italienische Fußball davon lernen?
In den letzten zehn Jahren hat Spanien gewonnen, aber wenn man die Geschichte Italiens ansieht, da haben sie viele Jahre den Fußball bestimmt, mit ihrer Art zu spielen, mit ihrem Stil, ihrer Taktik. Die einzige Mannschaft in Spanien ist Real Madrid, die mehr als andere gewonnen hat. Ich finde, jeder hat seine Zeit. Und jetzt gerade ist das Spanien, weil sie großartige Mannschaften haben, großartige Spieler, aber im vergangenen Jahr war es Inter, die den Fußball Europas dominierten. Jeder hat seine Zeit und ich hoffe, dass dieses und die nächsten Jahre, solange ich hier bin, auch Milan seine Zeit hat.

Wie war es in der niederländischen Liga?
Vielleicht spielt man in den Niederlanden ähnlich wie in Spanien. Ich finde, da spielt man schönen, eleganten Fußball. Aber ich erinnere mich, als ich dort spielte (bei Ajax Amsterdam, Anm.d.Red.), wenn wir 1:0 gewonnen hatten, haben die Fans uns ausgepfiffen, weil wir kein schönes Spiel geliefert hatten. Das ist deren Mentalität.

Neuerdings steht der Deutsche Alex Merkel in Milans Mittelfeld. Wie ist das Zusammenspiel mit ihm?
Er ist ein großartiges Talent, hat ein paar Spiele in der A-Mannschaft durchgespielt und seine Sache gut gemacht, wie ich finde. Er ist ein Spieler, der mir gefällt, weil ihm Fußball Spaß macht, er ist kein harter Spieler, sondern einer der spielt... Aber er ist noch jung, er hat noch viel zu lernen, was normal ist, das ist sein erstes Jahr, aber er macht das alles sehr gut.

Denken Sie, dass man junge Spieler in Italien öfter einsetzen sollte?
Das hängt von der Philosophie jedes Vereins ab. Das Wichtige ist, dass man die Jungen in die A-Mannschaft bringt und daran erkennt man auch die Schule eines Vereins, wie das läuft, ob sie gut ist. Meiner Meinung nach hat Milan eine gute Jugendarbeit, sie haben viele junge Spieler in die A-Mannschaft eingebracht, zum Beispiel Maldini. Er ist ein Eigengewächs Milans und nie weggegangen, er hatte eine großartige Karriere. Das ist wichtig für den Klub und für den Fußball allgemein, denn je mehr Jungspieler man einsetzt, umso mehr sind das Beispiele, die man anderen gibt, damit sie keine Angst haben, die Jungen auf dem Toplevel einzusetzen.

Ist das in Italien besonders schwierig?
Sehr schwierig. Denn die Philosophie in Italien ist, wenn einer nicht gut spielt, dann wird ein anderer gekauft. Ich finde, die Italiener, vor allem die großen Klubs, haben nicht die Geduld, einem Spieler die Zeit zur Entwicklung zu geben. Auch sie haben den Druck, gleich Resultate zu liefern. Darum. Aber alles hängt von der Philosophie des Vereins ab.

Und wie ist diese bei Milan?
Ich finde, Milan hat eine positive und großartige Philosophie, weil sie eine Mischung aus großartigen Spielern, jungen Talenten und denen dazwischen haben. Darum ist das eine tolle Mannschaft.

Wer ist Ihr Favorit für den Sieg im Wembley-Stadion?
Meiner Meinung nach alle, denn in der Champions League kann alles geschehen. Auch die, die weniger favorisiert sind, können gewinnen, weil alle in der Champions League sehr stark sind - darum sind sie ja in der Champions. Deshalb kann ich nicht sagen, welche Mannschaft durchkommt. Der Weg ins Finale ist noch lang.

Und der Weg zur Meisterschaft?
Wir denken an ein Spiel nach dem anderen und dann wird passieren, was passiert. Wichtig ist, dass wir arbeiten, in guter Form und vorbereitet sind. Wir müssen uns auf unsere Dinge konzentrieren, das was bei uns innerhalb passiert, ist unser Problem; denn wenn wir unsere Arbeit machen, dann sind wir am Ende Erste.

Mit Ihnen im Team kann ja eigentlich nichts mehr schiefgehen. Wo immer Sie spielten, wurde der Meistertitel geholt...
(lacht) Hoffen wir das Beste! Ich bin in guter Form und hoffe, es zu bleiben. Meine Kameraden sind gut in Form, die Mannschaft hat einen guten Lauf, wir hatten ein paar Spiele, bei denen wir grundlos Punkte verloren haben, aber das ist normal. Die Meisterschaft ist noch lang und es gibt noch schwierige Begegnungen.

Es scheint, dass im Spiel für Sie Angst nicht existiert: was gibt Ihnen diese Sicherheit?
Ich denke, dass ist das Vertrauen. Meine Einstellung, die mir diese Sicherheit und Entschlossenheit gibt. Da, wo ich aufgewachsen bin, war es wichtig, immer dieses Vertrauen zu haben und diese Mentalität, um zu überleben.

Und wie erreicht man so ein Vertrauen?
Du musst an dich selbst glauben. Das Ambiente, in dem du bist, gibt dir Vertrauen: wenn du was gut machst, gibt es dir Vertrauen, und wenn du ein Tor machst, gibt dir das auch Vertrauen. Kleine Dinge, die dir etwas Ganzes geben. Und am Ende ist das Vertrauen dann gewachsen. Und wenn andere dich angreifen, schlecht von dir sprechen, dann bedeutet das alles nichts, wenn du an dich glaubst.

Die Fans beurteilen einen Spieler danach, was sie von ihm auf dem Spielfeld sehen. Wie ist der Mensch Zlatan außerhalb des Spielfeldes?
Meiner Meinung nach bin ich ein sehr ruhiger Mensch, ich bin immer mit meiner Familie zusammen, ich habe zwei wunderbare Söhne und als Fußballer hat man nicht viel Zeit außerhalb des Spielfeldes. Jeden Tag Training, alle drei Tage ein Spiel und wenn man dann mal zuhause ist, entspannt man sich und wartet auf den nächsten Tag, um wieder zu trainieren. So ist Zlatan. Meiner Meinung nach mit einem großen Herzen, ich will immer das Beste für andere. Manchmal sagen welche, dass es für mich wichtiger sei, dass es den anderen gut geht als mir selbst. Wenn sie glücklich sind, bin ich es auch.

Ein Spiel, das unvergesslich bleibt?
Meiner Meinung nach das, wo es etwas zu lernen gibt: Was du gemacht hast, was du nicht gemacht oder nicht gut gemacht hast, was passiert ist. Aus diesen Dingen lernst du für das nächste Spiel. Denn die Situationen wiederholen sich, darum trainierst du täglich. Ich als Stürmer übe zum Beispiel viele Torschüsse, weil diese Situationen auch im Spiel vorkommen. Darum musst du immer dran bleiben, lernen und weitergehen.

Und ein Spiel, das Sie aus der Erinnerung streichen würden?
Puh. Ja, es gibt welche. Mit der Nationalmannschaft wie mit den Klub-Mannschaften. Aber das ist Fußball und ist ein Teil dessen. Nichts ist perfekt. Im positiven wie im negativen, darum lernst du. Wenn alles perfekt wäre, würdest du nichts lernen.

Perfektion existiert nicht.
Genau. Aber manche Menschen dachten, sie wären es und sind dann schnell herabgefallen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Tiger Woods. Aber man muss auch Fehler machen. Das ist normal. Wir alle machen Fehler, um zu lernen.

Eine Art Feedback?
Ja, perfekt. Für alle. Das gilt nicht nur für Fußballer, sondern auch im Leben.

 

Lesen Sie Teil 1 des Interviews mit Zlatan Ibrahimovic „Du musst an dich selbst glauben"

Das ganze Interview können Sie im Buch „Fußballgötter und ihre Philosophien" nachlesen. Es erscheint im März/April beim Verlag Ibidem.


Zlatan Ibrahimovic und Antje Luz

Beim Interview in Mailand: Zlatan Ibrahomic und Antje Luz



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