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TOP 11
Die schönsten Beinahe-Transfers im deutschen Fußball
Zu schmächtig, zu jung oder zu teuer: Michael Ballack, Petr Cech und Andrej Shevchenko hätten gemeinsam im Trikot von Werder Bremen spielen können. Die Grün-Weißen sind nicht die einzigen, die spätere Topstars noch von der Angel ließen. Eine Auswahl von Marco Heibel.

 

RonaldinhoBorusia Dortmund wollte ihn holen: Ronaldinho im September 2007 als Kapitän des FC Barcelona Foto Pixathlon

 

 

Zu schmerzhaft: Franz Beckenbauer zu 1860 München
Legendäre und allgemein bekannte Geschichte, daher nur die Kurzform: Beckenbauers Traumverein als Jugendlicher war der TSV 1860 München – bis zu dem Tag, als er in den Fünfzigern in einem Jugendspiel seines SC 1906 München gegen den Nachwuchs der „Löwen“ von seinem Gegenspieler geohrfeigt wurde. Aus Trotz wechselte er schließlich zum FC Bayern.

 
Zu langsam: Gerd Müller zu 1860 München
Wo der „Kaiser“ ist, kann der Müller Gerd nicht weit sein. Auch der „Bomber der Nation“ wäre beinahe ein „Blauer“ geworden. Im Frühjahr 1964 hatte sich der Präsident von 1860 München bei der Familie Müller angesagt, um den Torjäger aus Nördlingen zum TSV zu lotsen. Verantwortliche des Lokalrivalen FC Bayern bekamen Wind davon und reagierten sofort. Sie standen eine Stunde früher bei den Müllers auf der Matte boten Gerd einen Profivertrag – ein Angebot, das Müller nicht ausschlagen konnte. Der damalige Bayern-Trainer Cajkovski war im Übrigen gar nicht begeistert von der Verpflichtung des Stürmers. Ihm wird folgender Satz zugeschrieben: „Was soll isch mit dieses Junge, diese Figur, unmöglich.“

 
Zu illegal: Pelé zu Hannover 96
Wir schreiben das Jahr 1964, Hannover 96 ist soeben in die Bundesliga aufgestiegen. Bei der Suche nach Verstärkungen für die neue Saison wagt Verwaltungsratsmitglied Hans-David Ziegra das Unfassbare: Über Bekannte in Brasilien kontaktiert er den FC Santos. Sein Ziel: Die Verpflichtung von Pelé, dem weltbesten Fußballer. Der Deal scheitert letztlich daran, dass die brasilianische Regierung das Idol zum Staatseigentum erklärt hatte. Ein Wechsel ins Ausland war somit ausgeschlossen. Abgesehen davon: Bei allem Respekt vor Hannover 96 hätte Pelé vermutlich eher bei Real Madrid oder Inter Mailand unterschrieben, wenn es das Wechselverbot nicht gegeben hätte.

 
Zu schmächtig: Michel Platini zum 1.FC Saarbrücken
Mitte der 1970er Jahre spielte der blutjunge Michel Platini beim damaligen Bundesligisten 1. FC Saarbrücken vor. Nach Ansicht von Trainer Slobodan Cendic war der Franzose jedoch zu schmächtig, er wurde wieder nach Hause geschickt. Später entwickelte sich Platini zu einem der torgefährlichsten Mittelfeldspieler aller Zeiten, wurde drei Mal zu „Europas Fußballer des Jahres“ gewählt und führte die französische Nationalmannschaft fast im Alleingang zum EM-Titel 1984.

 
Zu sparsam: Ronaldo zum VfB Stuttgart
Im Jahr 1994 wäre Ronaldo beinahe zum VfB Stuttgart gewechselt. Der damalige VfB-Jugendtrainer Ralf Rangnick reiste im Frühjahr eigens nach Brasilien, um das damals 17-jährige Juwel zu beobachten. Rangnick war angetan, Ronaldo offen für den Wechsel nach Deutschland. Doch den Schwaben waren die aufgerufenen vier Millionen Euro Ablöse zu viel. Ronaldo wechselte schließlich für genau diese Summe nach Eindhoven, wo er Tor um Tor schoss und 1996 für das Vierfache nach Barcelona verkauft wurde. In seinem Fall hätte es sich für die Schwaben wirklich einmal gelohnt, das Portemonnaie aufzumachen. Die Stuttgarter holten stattdessen für umgerechnet zwei Millionen Euro Giovane Elber. Auch kein Schlechter, aber eben kein Ronaldo (in jung und schlank).

 
Zu gut: Andrej Shevchenko zum 1. FC Köln
Ein Spielerberater hatte den Kölnern den 18-jährigen Ukrainer Andrej Shevchenko im Jahr 1995 für kleines Geld angeboten. Der FC verzichtete. Vermutlich war es die richtige Entscheidung, hätte Shevchenko, der 1999 für rund 24 Millionen Euro zum AC Mailand wechselte und 2004 zu „Europas Fußballer des Jahres“ gewählt wurde, gegen Holger Gaißmayer oder Stefan Kohn doch einen überaus schweren Stand gehabt …

 
Zu spät: Pavel Nedved zum MSV Duisburg
Im Frühjahr 1996 stand Bundesliga-Aufsteiger MSV Duisburg kurz vor der Verpflichtung des international unbekannten Tschechen Pavel Nedved von Sparta Prag. Dumm nur, dass Nedved die Duisburger mit seiner Unterschrift bis nach der Europameisterschaft vertröstete. Beim Turnier in England spielte Nedved dann groß auf und wechselte letztlich zum italienischen Spitzenclub Lazio Rom.

 
Für 10.000 Euro mehr: Michael Ballack zu Werder Bremen
Im Jahr 1996 hatte Werder Bremen ein Auge auf den späteren „Capitano“ geworfen, der damals noch für den Chemnitzer FC in der 2. Bundesliga spielte. Der Wechsel des Juniorennationalspielers scheiterte jedoch an den Gehaltsvorstellungen von Vater Ballack. Der forderte umgerechnet 100.000 Euro pro Jahr, Werder wollte nicht mehr als 90.000 Euro zahlen. Ballack wechselte schließlich zu Zweitligist Kaiserslautern, wo man offensichtlich bereit war, die noch überschaubaren Gehaltswünsche des späteren Weltstars zu erfüllen.

 
Zu hart: Andrej Shevchenko zu Werder Bremen
Shevchenko, die Zweite: Im Jahr 1997 reisten Werder-Manager Willi Lemke und Trainer Wolfgang Sidka nach Kiew, um den Transfer des ukrainischen Mittelfeldstars Juri Maximow unter Dach und Fach zu bringen. Dessen Klub Dynamo Kiew wollte den Bremern bei der Gelegenheit gleich noch den jungen Angreifer Andrej Shevchenko mitverkaufen. Die Werder-Verantwortlichen blieben hart und verpflichteten nur Maximow, der sich als ziemlicher Flop erweisen sollte (Shevchenkos Werdegang siehe oben).

 
Zu jung: Petr Cech zu Werder Bremen
Im Frühjahr 2001 absolvierte ein gewisser Petr Cech ein Probetraining bei Werder Bremen. Trotz überzeugender Vorstellung sah Werder jedoch von einer Verpflichtung ab, umgerechnet 600.000 Euro Ablöse waren den Grün-Weißen für ein 18-jähriges Torwarttalent schlichtweg zu viel. Cech wechselte bald darauf für eben diese Summe von Chmel Blsany zu Sparta Prag. Nur ein Jahr später legte der französische Erstligist Stade Rennes schon 5 Millionen Euro für ihn auf den Tisch, 2004 waren Petr Cechs Dienste dem FC Chelsea gar 13 Millionen Euro wert. Dort entwickelte er sich zu einem der besten Torhüter der Welt, wurde 2005 zum „Welttorhüter des Jahres“ gekürt. Werder bekam derweil 2002 nach dem Wechsel von Frank Rost zu Schalke 04 ein Torwartproblem, weil sich dessen Nachfolger Pascal Borel und Jakub Wierzchowski als nicht bundesligatauglich erwiesen …

Zu weit: Ronaldinho zu Borussia Dortmund
2001 war Borussia Dortmund ein internationaler Spitzenklub mit großen Ambitionen und (scheinbar) unerschöpflichen Geldreserven. Das schlug sich auch in der Transferpolitik nieder: Für mehr als 50 Millionen Euro deckte sich der BVB damals mit Tomas Rosicky, Jan Koller und Marcio Amoroso ein. Was viele vergessen haben: Die Dortmunder buhlten auch heftig um den 20-jährigen Ronaldinho von Gremio Porto Alegre. Am Geld scheiterte der Wechsel des späteren Weltfußballers in den Ruhrpott nicht, vielmehr an Ronaldinho selbst. Dem war – Zitat – „der Sprung nach Dortmund zu groß“. Den Zuschlag erhielt schließlich Paris St. Germain für fünf Millionen Euro.

 
Zu unaufällig: Michael Essien zum VfL Wolfsburg
Im Jahr 2002 absolvierte ein 19-jähriger Ghanaer namens Michael Essien ein Probetraining beim VfL Wolfsburg. Augenscheinlich konnte der defensive Mittelfeldspieler vom SC Bastia die Verantwortlichen nicht überzeugen, der VfL sah von einer Verpflichtung ab. In der Folgesaison spielte Essien in der französischen Liga groß auf, Meister Olympique Lyon sicherte sich 2003 seine Dienste für 12 Millionen Euro. 2005 wechselte Essien dann sogar für 38 Millionen Euro zum FC Chelsea.

 
Zu vorsichtig: Alexandre Pato zu Hertha BSC Berlin
Die Hertha hatte in der letzten Dekade ein ziemliches Faible für Brasilianer. Einzig Marcelinho (65 Bundesligatreffer in fünf Jahren) gelang es jedoch, die großen Erwartungen zu erfüllen. Andere Landsleute, wie Alex Alves oder Weltmeister Luizao, erwiesen sich dagegen als Millionenflops. Vielleicht war es ja die Angst vor einen weiteren Fehlgriff, die Hertha-Manager Dieter Hoeneß im Jahr 2006 davon abgehalten hat, den 17-jährigen Alexandre Pato für 3 Millionen Euro zu verpflichten. Der ging Ende 2007 für 22 Millionen Euro zum AC Mailand, wo er mit bislang 50 Toren in 102 Serie A-Spielen beileibe keine schlechte Visitenkarte hinterlassen hat.

Zu teuer: Edin Dzeko zu Eintracht Frankfurt
Im Jahr 2007 bot ein Spielervermittler der Frankfurter Eintracht einen 21-jährige Bosnier an.  Der war soeben Torschützenkönig der tschechischen Liga geworden. Die geforderten vier Millionen Euro Ablöse waren der Eintracht jedoch zu viel, Edin Dzeko wechselte schließlich zum VfL Wolfsburg. Bei den „Wölfen“ erwies sich Dzeko nach leichten Anlaufschwierigkeiten als Volltreffer, er erzielte in dreieinhalb Jahren 66 Bundesligatreffer. Anfang 2011 wechselte er für geschätzte 37 Millionen Euro zu Manchester City. Pointe: Ein halbes Jahr nach der verpassten Dzeko-Chance verpflichtete die Eintracht Martin Fenin. Der war ähnlich jung wie Dzeko, kam ebenfalls aus der tschechischen Liga (war sogar Dzekos Sturmkollege beim FK Teplice) und kostete ähnlich viel Geld (3,5 Millionen Euro). Seine Bilanz: 14 Bundesligatore in 89 Spielen.

Edin DzekoEiner der begehrtesten Angreifer Europas: Edin Dzeko wäre fast bei Eintracht Frankfurt gelandet, jetzt trifft er für Manchester City Foto Pixathlon
 


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