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SUPER LEAGUE
"Schande über euch"
Gerade in Liverpool reagieren Fans der Reds mit großen Protesten, als bekannt wird, dass der LFC aus der Premier League raus will. Kurze Zeit später ziehen alle sechs Kandidaten von der Insel ihre Zusage für die umstrittene Superliga zurück.

 

 Schals des FC LiverpoolDiese Sammlung von Schals des FC Liverpool hängt im Stadtmuseum: Eine Anhängerin des LFC hat für jeden der 96 Toten der  Hillsborough-Katastrophe eine Erinnerung gestrickt.

 
 
Von seinen Wurzeln hat sich der einstige Volkssport Fußball weit entfernt, insbesondere in seinem sogenannten "Mutterland". Die britische Working Class konnte sich in Zeiten ohne Pandemie die teuren Tickets kaum noch leisten, reicht das Geld nicht für ein Abo des Bezahlfernsehens, bleibt nur noch das gemeinsame Fußballschauen im Pub. In diesem Sommer herrscht dort Vorfreude auf die Europameisterschaft. In Gruppe D hat es England, einer der Favoriten, denen zugetraut wird, am 11. Juli im Londoner Wembleystadion EM Sieger zu werden, mit Vizeweltmeister Kroatien, Tschechien und Schottland zu tun. Insbesondere das Spiel gegen die Schotten, die so lange bei keinem großen Turnier dabei waren, wird mit Spannung erwartet.
 
Die Profis sind auf der Insel weit entrückt, nicht einmal auf den hermetisch abgeriegelten Trainingsplätzen kann der Fans seinen Idolen nah sein. Doch selbst die oft beschworene Leidensfähigkeit der Anhänger hat ihre Grenzen. Als sechs Vereine der Premier League ankündigten, der neuen Super League beitreten zu wollen, gab es heftigen Gegenwind aus der Fanszene. "Shame on you" ("Schande über euch" stand auf dem Transparent, das aufgebrachte Anhänger der Reds an der Anfield Road befestigten.
 
Die Proteste zeigten vorerst Wirkung: Neben dem FC Liverpool zogen die Ligarivalen von Manchester City, Manchester United, des FC Arsenal, den Tottenham Hotspurs und des FC Chelsea ihre Zusage zurück. Nach dem Rückzug der sechs englischen angehenden Superligisten soll auch Inter Mailand zurückgezogen haben. Dass die Verantwortlichen in den Klubs kalte Füße bekamen, heißt aber nicht, dass die Gelddruckliga damit gestorben ist. "Wir werden die angemessenen Schritte erwägen, um das Projekt umzugestalten", hieß es von den verbliebenen fünf  Klubs. Der AC Mailand, Juventus Turin sowie aus Spanien Real Madrid, der FC Barcelona und Atletico Madrid sollen noch mit im Boot sein. 
 
Aus der Bundesliga war zunächst keiner in der Zwölferliga aufgetaucht. Angeblich hätte man den FC Bayern und Borussia Dortmund gerne dabei gehebt. Die Münchner erklärten indes, nicht in die Super League zu wollen. In einer gemeinsamen Erklärung "zur Situation im europäischen Fußball" hatten sich DFB und DFL "mit großer Erschütterung" zur die Super League geäußert.. Es gehe um die Zukunft des Volkssports Fußballs – und um eine Weichenstellung, wie man sie noch nicht erlebt habe. "Wir dürfen nicht zulassen, dass die finanziellen Interessen einiger weniger Topklubs aus England, Spanien und Italien die Abschaffung bewährter Strukturen bewirken."
 
Der Fußball in Europa lebe auch davon, dass es theoretisch für jeden Klub möglich sei, sich in einem Wettbewerb mit den Besten des Kontinents zu messen. "Dieser Traum darf nicht durch eine nahezu geschlossene Gesellschaft ersetzt werden." 
 


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