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Presseschau
Langsam in EM-Stimmung
Gänsehaut beim Spiel Dänemark gegen Belgien- Applaus für Kevin de Bruyne, Emre Can und Leon Goretzka. Die Presstimmen – gesammelt von indirekter-freistoss.de

 

 

Serge Gnabry gegen Paul PogbaDie DFB-Auswahl verliert 0:1 gegen Frankreich: Serge Gnabry gegen Paul Pogba. Foto Imago

 

Auf den Rängen, in den Köpfen, auf dem Rasen: Beim Spiel zwischen Dänemark und Belgien ist auch Christian Eriksen mit dabei. Cedric Voigt (spiegel.de) ist gerührt: „Im Stadion war er allgegenwärtig: Ein überlebensgroßes Trikot schwebte als Eingangs-Choreografie über den Platz, Fans beider Teams wünschten Eriksen auf Spruchbändern alles Gute. Nach zehn Minuten – die Zehn ist Eriksens Rückennummer – unterbrach Schiedsrichter Björn Kuipers die Partie. Das gesamte Stadion, Dänen, Belgier, Schiedsrichtergespann, hielt einen Moment inne, um Eriksen zu applaudieren. Christian Eriksen, das ist die beste Nachricht dieser EM, ist noch da.“

Auch Peter Müller (waz.de) hat glasige Augen: „Welch ein Abend der großen Emotionen. In Kopenhagen fand nicht nur ein Fußballspiel statt, sondern auch die gemeinsame öffentliche Verarbeitung eines Schocks – fünf Tage, nachdem Dänemarks Top-Spieler Christian Eriksen gegen Finnland auf dem Platz mit einem Herzstillstand zusammengebrochen war und reanimiert werden musste. So viel Zusammenhalt, so viel Zuneigung, so viele wunderbare Gesten: Das war schon beeindruckend.“

Johannes Schneider (Zeit Online) atmet tief durch: „Es gibt Fußballspiele, die einen auf besondere Art berühren, selbst wenn oder gerade weil man nie von ihnen berührt werden wollte. Weil man den Text im Kopf schon halb geschrieben hatte über die Absurdität, eine mutmaßlich traumatisierte Mannschaft auf einen stärkeren Gegner prallen zu lassen, weil die Show ja weitergehen muss und den Beteiligten erst viel später bewusst werden wird, wie absurd das eigentlich war, in dieser dunklen Zeit einfach weitergemacht zu haben, als helfe Routine gegen Entsetzen.“

Mit seinem Elfmetertor stellt Hollands Stürmer Memphis Depay die Weichen auf Sieg. Dominik Sliskovic (t-online.de) blättert im Familienbuch des Elftal-Stars: „In seinem Großvater, einem glühenden Ajax-Amsterdam-Fan, findet er endlich die Vertrauensperson, die er seit dem Abschied des Vaters gesucht hat. Er ist es, der ihn beim gemeinsamen Angeln zur Ruhe bringt und ihn ermutigt, sein Fußballspiel auf ein höheres Level zu heben. Memphis wird aufgrund seiner Fähigkeiten auf den Straßen Moordrechts längst nur noch „Kluivert“ genannt. Wie auch der ehemalige niederländische Nationalstürmer ist Memphis schon im jungen Alter ein fintenreicher, gradliniger Torjäger, der seinen Gegner auf einem Bierdeckel ausdribbeln kann, nur um den Ball dann unangekündigt und mit Vollkaracho ins Tornetz zu dreschen.“

Das Rundleder-Metronom

Tobias Nordmann (n-tv.de) verneigt sich vor Belgiens Ausnahmekönner Kevin de Bruyne: „Wie sein Klub Manchester City hört auch das Nationalteam auf den 29-Jährigen. Er muss dafür nicht mal laute Kommandos geben. Seine Bewegungen, seine Wege geben den Rhythmus vor. Sorgt er mit seinen Läufen für Tiefe, werden seine Mannschaften gefährlich. Sorgt er für Breite, sind seine Mannschaften kaum vom Ball zu trennen. Das gilt für die Citizens indes noch mehr als für die „Diables Rouges“. Was wiederum beide Teams vereint: Egal, wo sich seine Mitspieler auf dem Feld die Pässe zuspielen, sie haben immer das Auge für ihr Metronom.“

Vor dem wegweisenden Spiel gegen Portugal beschäftigt sich Sebastian Schneider (n-tv.de) mit Emre Can: „In der Defensive hat Can schon fast alles gespielt. Auch bei Borussia Dortmund ist er durch die Positionen gewandert. Dort wird er vor allem als Innenverteidiger eingesetzt oder im zentralen Mittelfeld vor der Abwehr. Er spielte aber auch als Rechtsverteidiger in Dortmunds Viererkette. Physisch und spielstark ist er ohnehin. Obwohl es nicht seine bevorzugte Aufgabe ist, hat er sich in der WM-Qualifikation gegen Rumänien sogar als Linksverteidiger empfohlen. Klar, der kommende Gegner und amtierende Europameister Portugal hat nochmal ein anderes Niveau als Rumänien, dennoch ist auch die Außenverteidigerposition eine Option.“

Stefan Hermanns (Tagesspiegel) bringt den Namen Leon Goretzka mit ins Spiel: „Gegen Frankreich stand er auf eigenen Wunsch noch nicht im Kader. Am Samstag, im zweiten EM-Spiel gegen Portugal hingegen, ist er wohl wieder eine Option; vielleicht noch nicht für die Startelf, aber zumindest für eine Einwechslung. Der Münchner ist ein Box-to-Box-Spieler, der seiner Mannschaft genau das geben könnte, was ihr gegen die Franzosen gefehlt hat: mehr Tiefe.“

„Hätte ich damals Friedrich Merz zurückgeholt…“

Schriftsteller Moritz Rinke (FAZ) schreibt EM-Briefe. Diesmal von Kanzlerin Angela Merkel an den Bundestrainer: „Schade, dass es gegen die Franzosen im ersten Gruppenspiel nicht geklappt hat. Doofes Eigentor. Ärgerst du dich jetzt etwa, dass du Hummels zurückgeholt hast? Hättest du mich um Rat gefragt, ich hätte dir abgeraten, es rächt sich immer, wenn man jemanden kaltstellt und dann zurückholt. Hätte ich damals Friedrich Merz zurückgeholt, hätte der mir garantiert hintenrum auch ein Eigentor reingeschossen.“

Tagebuchschreiber Jan Christian Müller (FR) hat gute Laune: „Vor gefühlt zwei Monaten herrschte bei uns daheim noch eine Ausgangssperre ab 22 Uhr. Auf die EM 2021 hat niemand hingefiebert. Auch uns Reportern stand das Turnier wie ein Berg bevor, den wir nicht überwinden würden, oder wenn doch, dann nur schwitzend. Vorfreude? Null! Mittlerweile sieht es besser aus. Tatsächlich sitzen wir abends in Biergärten im schönen Erlangen und schauen auf großen Leinwänden Fußball. Gemeinsam bei 24,5 Grad, die sich im Hinterhof anfühlen wie 32 Grad.“

www.indirekter-freistoss.de

 
 

 



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