Zurück  |  

DAS BESONDERE INTERVIEW
„Am Anfang hat es Überwindung gekostet“
Für Wolfgang Kopp (39) und Frau Elvira (41) sind Bundesligaspiele harte Arbeit. Am Bahnhof in Mönchengladbach oder Gelsenkirchen sammeln sie die Dosen und die Flaschen, die die Fans wegschmeißen.


„Schnell sein“: Die Pfandfinder Elvira und Wolfgang Kopp Foto David Klammer


RUND: Wie ist das Gefühl, das einsammeln zu müssen, was andere Menschen wegwerfen?
Wolfgang Kopp: Es kostet am Anfang Überwindung. Mittlerweile ist uns das nicht mehr peinlich. Wir tun ja auch was Gutes. Wir helfen mit, den Bahnhofsvorplatz sauber zu halten.

RUND: Wie viel nehmen Sie durch die Pfandflaschen ein?
Elvira Kopp: Das schwankt. Bei Fußballspielen im Sommer mehr als im Winter, wenn nicht so viel Bier getrunken wird.
Wolfgang Kopp: Heute werden es wohl 70 Euro werden. Viele Acht-Cent-Flaschen, einige mit 25 Cent. An guten Tagen macht das bis zu 100 Euro. Wir sammeln in zwei Stadien, bei Schalke 04 und Borussia Mönchengladbach. In Gelsenkirchen kann man noch viel mehr Geld machen als hier in Gladbach, weil dort viel mehr Plastikflaschen rum liegen. Die bringen mehr Geld.

RUND: Werden Sie öfter mal von Fans beschimpft?
Wolfgang Kopp: Ach, wir Pfandsammler gehören ja mittlerweile zum Fußball fast schon dazu. Wenn die eigene Mannschaft gewonnen hat, sind die Fans sowieso überall nett. Viele Fußballfans schenken uns ihre Flaschen. Niemand hier bringt sein Pfand selbst weg. Meckern tun wenige. Nur manche, die ihren Frust an uns auslassen und sich vor ihren Freunden groß machen wollen. Wir merken, wenn Ärger in der Luft liegt. Dann verziehen wir uns lieber. Besonders nach Niederlagen, wenn alle aggressiv sind.

RUND: Sie sind nicht alleine. Es gibt Konkurrenz, die ebenfalls sammelt. Gibt es da manchmal auch Streitigkeiten?
Elvira Kopp: Man muss schon schnell sein. Mein Wolfgang ist schnell. Manchmal ist er fast zu hektisch. Der konzentriert sich in den Stunden ganz auf das Pfandsammeln. Der kann sich da richtig reinsteigern.
Wolfgang Kopp: Wir teilen das auf. Elvira wartet bei den Tüten und passt auf. Ich schaue in die Mülleimer und achte darauf, wer sein Bier fast leer getrunken hat. Da gehe ich dann hin. Man muss flott sein, wenn man Pfand sammelt. In Gladbach ist die Konkurrenz nicht so groß. Auf Schalke sind noch drei andere Sammler dort, wo wir stehen. Einer davon ist sehr gut. Da muss ich aufpassen, dass der mir nicht den Rang abläuft.


„Im Sommer wird mehr getrunken“: Der Markt für Pfandsammler ändert sich Foto David Klammer


RUND: Was sagen die Kioskbesitzer, wenn Sie nach dem Sammeln mit dem Pfand ankommen?
Wolfgang Kopp: Das Sammeln selber ist halb so wild. Aber wenn der Kioskbesitzer mal wieder meckert, weil wir ihm viele einzelne Flaschen bringen, dann schämen wir uns. Elvira möchte das nie machen. Deshalb übernehme ich diesen Job. Wenn wir nach Hause fahren, geben wir auf dem Weg meist an jedem Kiosk 20 bis 25 Flaschen ab. Den Rest dann zu Hause im Großmarkt.

RUND: Wie lang ist Ihr Arbeitstag?
Wolfgang Kopp: Heute waren wir um 13 Uhr am Bahnhof, haben uns schon mal umgesehen und überlegt, wo wir uns hinstellen. Und wenn alle Fans im Stadion sitzen, machen wir uns meist auf den Heimweg.

Interview Sebastian Peters


Zurück  |