Zurück  |  

KOLUMNE
Uli Hoeneß: „Das war’s noch nicht“ - Abteilung Attacke 2.0“
Unsere Kolumnistin Samira Samii hat Uli Hoeneß getroffen, der ihr und ihrem Mandanten Klaus Augenthaler erzählt hat, wie ihn die Zeit in der Haft verändert hat. „Ich sehe das Leben heute von einer anderen Perspektive“, sagte er.

 

Uli Hoeneß
„Das war’s noch nicht“: Uli Hoeneß vor den Mitgliedern des FC Bayern im Mai 2014. Foto Pixathlon

Es war ein sonniger Tag im Mai, als ich mit meinem Mandanten Klaus Augenthaler einen Termin in der Säbener Straße beim FC Bayern hatte. Wir hatten einige gute Gespräche und am Schluss noch einen Termin bei Uli Hoeneß, dem früheren Manager, Präsidenten und Aufsichtsratschef, der den FC Bayern München zur Weltmarke machte. Meine Familie und ich kennen Herrn Hoeneß schon seit einigen Jahren, aber wir hatten uns auch schon lange zuvor nicht mehr gesehen.

Uli Hoeneß hat mit Sicherheit große Fehler gemacht, die er zutiefst bereut und muss dafür geradestehen. Er hat fast 30 Millionen Euro an Steuern hinterzogen und weiß, dass nur er dies zu verantworten hat. Uli Hoeneß hat den FC Bayern München in vier Jahrzehnten geprägt und war als Spieler, Manager, Vorstand und Präsident an sagenhaften 53 Titeln beteiligt. An seinem letzten öffentlichen Auftritt vor der Haftstrafe hat er sich von der Jahreshauptversammlung von den Mitgiedern der Bayern mit den Worten „Das war’s noch nicht!“ von der Bühne verabschiedet.
 
Als Klaus Augenthaler und ich ihn trafen, arbeitete Uli Hoeneß tagsüber in der Säbener Straße in der Jugendabteilung und musste abends wieder zurück in die Justizvollzugsanstalt (JVA).

Klaus Augenthaler und ich waren sehr gut gelaunt, denn wir hatten einige sehr gute und vielversprechende Gespräche mit mehreren Bayern-Funktionären. Als letztes sollte aber das Pünktchen auf das „i“ gesetzt werden und wir meldeten uns beim Sekretariat von Herrn Hoeneß an. Nur eine Minute später kam er uns entgegen. Als Gentleman begrüßte er mich als Dame zuerst, um dann seinen früheren Mitspieler Klaus Augenthaler zu umarmen. Wir haben uns sehr gut über den FC Bayern und die diesjährige Saison unterhalten. Wir sprachen über Pep Guardiola, die Verletzungsmisere, aber auch über die Chancen auf den Champions-League-Titel und die Meisterschaft. Leider habe ich keine Weltstars unter meinen Mandanten, die bei den großen Bayern spielen könnten. Wir haben uns jedoch länger über viele Nachwuchsspieler von mir unterhalten, die vielleicht auf dem Weg in Bayerns U-Mannschaften sind.
 
Etwas später klopfte es an der Tür und es schauten Franz Beckenbauer und sein Manager Marcus Höfl rein zufällig rein. Auch sie begrüßten uns sehr freundlich. Frech wie immer fragte ich den Kaiser: „Kennen sie mich gar nicht mehr?“ und er überlegte kurz, schaute mich noch einmal an und sagte, „Sie sind die Tochter des berühmten Professor Samii, dem Augenchirurgen. Hallo Samira! Wie kann ich eine so schöne Frau vergessen?“ Hoeneß sagte nur, „das ist der Franz mit seinem Charme!"

Natürlich haben wir uns mit Uli Hoeneß auch über sein Leben nach der Verurteilung unterhalten. Uli Hoeneß weiß, dass er viele Fehler gemacht hat aber er hat das Urteil von Anfang an mit Buße angenommen, es akzeptiert und hat keine weiteren Rechtsmittel eingelegt. Er erzählte uns von seinem Alltag in der JVA: Dort steht er jeden Tag um 5 Uhr auf, trinkt nur einen Kaffee und trainiert dann eine Stunde auf einem Ergometer. Er erzählte auch welche anderen Insassen er kennenlernen durfte oder musste. Dies sind Erfahrungen, sagte er, auf die man gerne verzichten kann.
 
In der JVA durfte er nur einmal monatlich Besuch empfangen. „Das war sehr hart!“ sagte Hoeneß, aber es ist gut zu wissen, dass noch jemand zu dir steht.“ In der ganzen Zeit gaben ihm seine Familie und die engsten Freunde die Kraft um dies alles zu überstehen. An erster Stelle natürlich seine Frau Susi, die er schon als Jugendlicher kennenlernte und die noch heute immer zu ihm steht, egal welche Probleme von außen herangetragen werden. Sie gab im die Kraft und den Rückhalt als Manager und auch in der JVA. Sie steht zu ihm egal was kommt. Nicht umsonst heißt es: „Hinter einem erfolgreichen Mann, steht immer auch eine erfolgreiche Frau!"

Heute ist Uli Hoeneß Freigänger und arbeitet tagsüber in der Jugendabteilung des FC Bayern München, abends muss er immer noch zurück in die JVA. Heute ist der ehemalige Präsident des größten Vereins der Welt seinem früheren Mitspieler Wolfgang Dremmler, dem heutigen Abteilungsleiter Junior Team unterstellt. Aber Herr Hoeneß ist immer noch eine außergewöhnliche Managerpersönlichkeit, die seine Gesprächspartner in den Bann zieht.  Und der große FC Bayern ist glücklich, seinen Ex-Präsidenten mit seiner Erfahrung und seinem Fußball-Sachverstand wieder an Bord zu haben. Jeder Satz von ihm hat Hand und Fuß. Für mich ist er heute weiterhin eine Persönlichkeit vor der man Respekt haben muss.
 
Er hat in den vergangenen 14 Monaten fast 20 Kilo abgenommen, aber er schaut gut aus und ist voller Elan und Lebensfreude. Auf meine Frage, inwiefern sich sein Leben und seine Einstellung dazu geändert haben, antwortetet er mir: „Ich sehe das Leben heute von einer anderen Perspektive, viele Dinge sind heute nicht mehr so wichtig und meine Prioritäten haben sich etwas verändert!"

Wenn wir über die Zukunft sprechen ist er voller Tatendrang und guter Ideen, aber er ist vorsichtiger als früher. Er weiß, dass er heute eine deutlich defensivere Rolle als zu Zeiten der „Abteilung Attacke!“ ausfüllt. Viele Vereinsmitglieder, Fans und auch ich wünschen sich eine Rückkehr von Uli Hoeneß als Präsidenten des FC Bayern München. Vielleicht gibt es dann die  „Abteilung Attacke 2.0“?

Egal, was die Zukunft in dieser Hinsicht bringt: Uli Hoeneß ist und bleibt einer der beeindruckendsten Persönlichkeiten und Gesprächspartner, mit denen ich gesprochen habe.  
 
 
Lesen Sie auch:„Junge Frau, es geht nicht, mit Ihnen Geschäfte zu machen!“
Gaby Schuster und Angela Häßler galten einst als toughe Verhandlungspartnerinnen, doch die Männerwelt Fußball tut sich schwer mit ihren Nachfolgerinnen: In Deutschland ist Samira Samii die einzige Frau, die beim Transferpoker mitmischt. Die Sport- und Marketingmanagerin träumt davon, Sportdirektorin eines Bundesligisten zu werden
 

Samira Samii



Zurück  |