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U19 EM
Alex Meret wie Buffon
Eröffnungsspiel der U19-Europameisterschaft in Deutschland: In der ausverkauften Mercedes-Benz-Arena in Stuttgart, verliert die DFB-Elf mit 0:1 gegen Italien. Von Giovanni Deriu, Stuttgart.

 Alex MeretAlex Meret. Foto Pixathlon

 

Nur einen Tag nach dem Europameisterschaftssieg der Portugiesen in Paris startete heute die U19-Europameisterschaft in Deutschland. Anpfiff in Stuttgart war um 12 Uhr mittags, wenn die meisten Pennäler in der Schule sind, und, wo die Sonne am höchsten steht.

Ganz entspannt  rauchten die italienischen Betreuer, beide auch nicht älter als 25, vor den Katakomben, unter den Betonpfeilern, ihre Entspannungszigarette, „Alles gut und ruhig“ sei es im Team der Azzurri, meinten sie.

Die Deutschlandfans waren natürlich unter den 55.000 eindeutig in Überzahl, da der DFB und die Schulen, knapp 500, mit schülergerechten Preisnachlässen mobilisiert hatten – gegen Ende des Schuljahres ist so ein Besuch schließlich immer drin. Einige Bundesligaklubs sowie Fußball-Landesverbände postierten auf der Tribüne ihre eigenen Kamerateams für den Livemitschnitt und für Lehrzwecke.

Die Hymnen wurden frenetischer mitgesungen als bei den Profis – und das auf beiden Seiten.

Das U19-Team von Trainer Guido Streichsbier fing auch recht flott an, besonders der robuste Dortmunder Stürmer Jani Serra brachte im Zweikampf immer wieder seinen Körper gekonnt ein. Torwart Alex Meret der Italiener wirkte besonders am Anfang ruhig und beruhigend auf seine Abwehr. Möglicherweise ist er ein „Buffon-Nachfolger-Nachfolger“, denn Gianluigi Donnarumma von AC Milan steht ja auch schon bereit, und spielt, obwohl erst 18, für die U21 und als Stammkeeper bei Milan.

Die deutsche Präsenz allein durch Körpergröße war durchaus beeindruckend. Dennoch leistete sich die DFB-Elf mit Torwart Dominik Reimann ein bisschen zu viel Lockerheit bei einem Abwehr-Rückpassgeplänkel, beinahe wäre Giuseppe Panico dazwischen geprescht – kleine Panik im Strafraum. Da waren gerade einmal elf Minuten gespielt.

Alex Meret zeigte nach 15 Minuten eine weitere Parade im kurzen Eck, Phillip Ochs (von der TSG1899 Hoffenheim) scheiterte, und danach abermals Meret mit einer Glanzparade nach einem Kopfball von Max Besuschkow (VfB Stuttgart).

Powerplay der DFB-Mannschaft. Und Italien besann sich auf die ihre ganz eigene DNA: hinten gestaffelt und dicht stehen, der Gegner soll sich abarbeiten.

Mehr Spielanteile hatte ganz klar das deutsche Team, aber die jungen Azzurri waren dafür immer wieder gefährlich. Das deutsche Spiel kostete bei 26 Grad im Schatten aber auch Kraft, nach einer halben Stunde rannten vorne nur noch Janni Serra (wurde später auch ausgewechselt, er selbst deutete es Coach Streichsbier in der Halbzeitpause an) und Benjamin Henrichs von Leverkusen, die italienische Mannschaft stellte sich mit zwei kompakten Viererketten etwa 30 Meter vor dem eigenen Tor auf. Das Mittelfeld wurde somit eng.

Torlos die erste Halbzeit, und die Schüler im Stadion wurden gegen Ende auch ruhiger, die Hitze schaffte alle.

Aufregung dann als Italien-Tormann Meret einen Abschlag auf den Rücken von Ochs schlug, beinahe sprang der Ball ins eigene Tor. Schrecksekunden bei den Italienern. Henrich und Besuschkow suchten und fanden sich immer wieder, leiteten Angriffe ein, nur der Abschluss war oft zu dürftig (51.).

Die Italiener hatten immer noch die Ruhe weg. Meret rettete kurz darauf abermals, eine 100-prozentige Torchance der deutschen Elf machte der Tormann zunichte, mit einer Parade à la Buffon(Serra hatte geköpft). Deutschland kombinierte sich gekonnt durch, man hatte den Eindruck, Özil, Götze und Co. seien auf dem Platz, doch kurz vor dem Fünfmeterraum (!) fehlte die Genauigkeit im Abschluss. Mehrmals ging ein Aufschrei durch das weite Rund. Allein, die italienische Abwehr machte viele Aktionen mit einem einzigen Schritt zur rechten Zeit kaputt. Deutschlands U19 investierte definitiv mehr. Noch eine Viertelstunde.

Dann ein gesetzter Konter, die Italiener schwärmten aus. Einmal, zweimal, wurde gerettet vor dem Tor von Dominik Reimann, aber auf dem Boden berührte ein deutscher Spieler(Mittestädt) den Ball mit der Hand, Elfmeter. Die Minimalisten trafen mit Federico Dimarco: 0:1.
Italien in Führung, mit einer Taktik wie bei den Großen.

Nickligkeiten und Ermahnungen gegen Ende des Spiels, die DFB-Elf von Trainer Streichsbier warf alles nach vorn, Italien lauerte nur noch auf Konter. Und die Uhr tickte weiter: Ein Wadenkrampf da (bei den Deutschen im italienischen Strafraum), ein „Trikotzupfen“ der Italiener dort – Freistoß Deutschland an der Seitenauslinie, vorbei. Die jungen Azzurri brachten das Ergebnis abgebrüht über die Zeit.

 

DFB-Coach, Guido Streichsbier: „Im Großen und Ganzen bin ich mit unserem Spiel dennoch zufrieden. Es ist natürlich schade, wenn man so ins Turnier startet, aber wir hatten mehr Spielanteile und Chancen. Wir haben sehr viel investiert, und das kostete natürlich Kraft. Janni Serra, der viel gelaufen ist, deutete bereits zur Halbzeit an, dass er nur noch für zehn bis 15 Minuten den Akku voll hatte. Die Italiener haben uns das Leben schwer gemacht, sie standen sehr gut gestaffelt, und ein paar Mal hielt der Torwart exzellent. Dennoch werde ich heute Abend meinem italienischen Kollegen Paolo im Hotel gratulieren, sie haben es auch gut gemacht.“

Italien-Coach, Paolo Vanoli: „Das war ein hartes Stück Arbeit, aber bestimmt kein Glück! Wir haben uns über einen Monat gut vorbereitet durch harte Arbeit. Dass uns nichts geschenkt würde gegen dieses deutsche Team, war klar. Wir konnten ja nur so spielen, da Deutschland im eigenen Land auch Druck machen musste. Aber gegen diese deutsche Mannschaft so zu stehen, und dennoch ein paar Chancen zu kreieren, hat auch mit Disziplin zu tun. Unsere DNA wie bei unserer großen Squadra Azzurra? Nein, so weit mag ich nicht gehen, ich mag diese Vergleiche nicht – aber wir arbeiten alle hart. Und ich bin mir sicher, diese deutsche Mannschaft geht ihren Weg bei diesem Turnier.“



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