Zurück  |  

U19 EM
Das erste Spiel nach Nizza
U19- Europameisterschaft: Gruppe B, Kroatien gegen Frankreich, von Giovanni Deriu, Aalen.


Ferdo Millin
Kroatiens U19-Trainer Ferdo Millin. Foto: Deriu

 

Für den DFB war die Sache weit vor dem U19-Match im Waldstadion Aalen zwischen Kroatien und Frankreich klar: Eine Schweigeminute zu Beginn werde das Spiel begleiten und alle Spieler würden mit Trauerflor auflaufen. Der schockierende Terroranschlag in Nizza lag erst einige Stunden zurück. Dass die Franzosen natürlich ganz anders weil stärker betroffen sind, wurde uns vor dem Match vom Co-Trainer und Teammanager um Coach Ludovic Batelli bestätigt, weil „sogar einer unserer Spieler aus Nizza verletzte Angehörige hat“ und sich sorgte. Solche Schicksale relativieren auch die „Wichtigkeit“ des Fußballs. Dennoch wirkte die l’èquipe tricolore sehr fokussiert, und schaute man aufs Team, konnte man anhand der Spieler mit Migrationshintergrund sehen, wie Integration funktionieren kann, und an die Fans vor jedem Match: No to racism.

In Aalen aber begrüßten zahlreiche kroatische Fans ihre U19, ja, sie bereiteten den Junioren ein Heimspiel: Fast 3.700 Zuschauer waren es in Aalen insgesamt, davon sicher 1500 Kroaten. Ganz gelöst wirkte der kroatische Trainer Ferdo Milin bei der Platzbegehung mit dem Team, und meinte zu RUND: „Wir sind uns bewusst, wie die Franzosen momentan leiden, aber nichtsdestotrotz werden alle Spieler professionell betreut und vorbereitet, wenn sie auf dem Platz stehen, sind sie sehr fokussiert…“, es werde nicht leicht, sagte Milin und legte die Stirn in Falten. Ferdo Milin und der PR-Manager und Sekretär des Juniorenteams, Josip Tomasko, wiesen zudem daraufhin, dass „fünf Leistungsträger im Team fehlen, weil diese ihre Teams in der Champions League-Qualifikation“ für Dinamo Zagreb, dem Rekordmeister, verstärken mussten. „Die Vereine gehen vor“, sprach Trainer Milin und verschwand in die Kabine.

Bereits nach knapp einer Minute Angriff der Franzosen, PSG-Stürmer Augustin auf Mbappè, aber Torwart Karlo Letica machte sich lang, und parierte den Flachschuss. Furioser Auftakt.

Es vergingen Minuten des Abtastens, und als Karlo Plantak keine Anspielstation sah, schoss der kroatische Sechser einfach aufs Tor: aus 20 Metern knapp drüber.Bei den Franzosen wie gehabt Amine Harit ein genialer Ballverteiler.Über Außen kam immer wieder Augustin, der PSG-Profi war stets in Bewegung, aber seine flache Hereingabe verpasste Blas. Gerade mal eine Viertelstunde war da gespielt. Es war Würze drin. Sehr aktiv auch beide Trainer, Ferdo Milin wie Ludovic Batelli, stets nah am Team mit Anweisungen und Emotionen dran.

Als das Spiel sich fast im technisch gekonnten Kleinklein verfing, zauberten die Franzosen über Ludovic Blas einen schnellen Pass in den Strafraum und Augustin fackelte nicht lang, 1:0 für Frankreich (37.).

Ein Pfeifkonzert kann sich in einer kleinen Arena wie im Nou Camp anhören, ein Tor der Kroaten, Brekalo hatte geschossen, wurde wegen Abseits nicht anerkannt.

Nach der Pause kamen die Kroaten mit dem Schwung der Wut zurück, und machten das Spiel, doch die französische Elf stand auch robust im Mann-gegen-Mann.
Powerplay der Kroaten auch durch die eingewechselten Andrija Balic und Fran Brodic, ein Kopfball nach Flanke von Lovren setzte Vinko Soldo knapp am Tor vorbei, nach knapp einer Stunde. Frankreich kam zeitweise nur noch mit Entlastungsangriffe nach vorn, dann aber gefährlich, und nur gestoppt durch taktische Fouls.
 
Dass den Kroaten wohl ein paar Leistungsträger fehlten, merkte man eindeutig, und dennoch hatten sie sehr ballsichere Talente in ihren Reihen. Einige Scouts und Beobachter notierten sich ganz sicher die Namen von Luka Ivanusec, Davor Lovren, dessen Bruder ja beim FC Liverpool spielt, Josip Brekalo (VfL Wolfsburg) und Andrija Balic, die Nummer 10, dürften genauso im Profifußball landen, wie Vinko Soldo und Matej Hudecek.

Das Spiel lebte ab der 60. Minute von der Spannung, dass ein 1:1 genauso nahe lag, wie ein weiteres Tor der Franzosen, und das fiel dann auch in der 69. Minute. Ein weiter Pass von Diop über die Abwehr hinweg, und Kylian Mbappè tänzelte den Torwart aus, und schob den Ball von halblinks flach ins Tor. Das war schon die Vorentscheidung, 2:0.
 
Die Kräfte schwanden letztendlich bei den kroatischen Talenten, und zu abgezockt setzte die L’ Equipe Konter, und probierte gar Schüsse mit Finessen aus. Weite Flanke von Onguene, und Mbappé aus fünfzehn Metern mit einem Seitfallzieher, aber Torwart Karlo Letica war auf dem Posten. Wieder ein schneller Konter über drei Stationen, der Ball lief vor dem Sechzehnmeterraum durch kroatische und französische Beine, und beinahe landete ein Pressschlag des Kroaten im eigenen Kasten – die anschließende Massenrangelei beider Lager im kroatischen Tor, wurde schnell beendet, der Schiedsrichter und die Trainer pfiffen die jungen Hitzköpfe zurück. In der Nachspielzeit trafen die Franzosen noch den Pfosten und das leere Tore aber auch so nicht – doch eine 0:3-Niederlage der Kroaten wäre definitiv zu hoch gewesen.





Zurück  |