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DERBY IN ROM
Wahnsinn am Colosseum
Im Derby zwischen der AS Roma und Lazio, verspielte die Roma die letzte Chance, Juve noch Paroli zu bieten, und das hellblaue Lazio Rom durfte feiern. Aus einem Prestigematch wurde die Schmach für die Romanisti. Von Giovanni Deriu.

 Anhänger von Lazio Rom bejubeln das 3:1 im Derby gegen AS RomAnhänger von Lazio Rom bejubeln das 3:1 im Derby gegen AS Rom. Foto Pixathlon

 

Italiens Fußball zieht an und schreckt gleichzeitig viele Talente und Fußballer ab. Der Calcio beschäftigt in Italien stets von Montag an, wenn die vergangenen Partien durchdiskutiert werden, bis zum Sonntag, wenn wieder die Spiele ab Samstag anstehen. Und, wenn in Italien ein klassisches Hauptstadt-Derby wie neulich ansteht, müssen sich die Teams und Spieler mental gut wappnen: in diesem Fall stand das Derby im "Olimpico" an.
 
Dass Romas Legende, Francesco Totti, letztendlich seinen Abschied früher bekannt gab, lag auch daran, dass die Medien das verlorene Derby so richtig "auseinander" nahmen. Mit 1:3 verlor die AS Roma im so genannten Heimspiel gegen Lazio, das nach fünf Jahren wieder ein Derby für sich entscheiden konnte in einem Ligaspiel. Etwa 20 Minuten vor dem Ende wurde "grande Totti" eingewechselt, doch er konnte nicht mehr viel dazu beitragen, um die Schmach abzuwenden. Es war, so wissen wir nun, sein letztes Stadtderby.
 
Lazio war in allen Belangen überlegen und schneller, das musste auch Trainer Luciano Spalletti zugeben (wird auch er die Roma verlassen?). Daniele De Rossi, ein anderer langjähriger Römer und Nationalspieler, verwandelte immerhin einen "unberechtigten" Elfmeter zum zwischenzeitlichen 1:1. Strootmann war davor im Strafraum einfach gefallen, die Medien schrieben: eine wahre Simulation. Ziemlich früh hatte davor bereits der schnelle und gefährliche Keita Baldé Lazio in Führung geschossen, als Vertreter des kranken Ciro Immobile.
 
Dusan Basta und abermals Keita, nach einem genialen Konter, machten den Sack zu. Danach ging es ab, auch wie die Fotos der Fan-Aktionen einen Tag später zeigen. Die Roma befindet sich im Umbruch, stets knapp hinter Juve zu landen, sei zu wenig, meinen viele Fans wie Experten. Immerhin nahm AS Rom oft an der Champions League teil. Nägel mit Köpfen machte das Präsidum um den italo-amerikanischen Eigner Thomas Di Benedetto, denn kein geringerer als Sevillas Sportdirektor Ramon Rodriguez Verdejo, besser bekannt als "Monchi", wird die Geschicke der Roma in der kommenden Saison lenken - Magicá Roma soll endlich eine noch größere Rolle spielen. Monchi bewegt sich bereits seit Wochen gekonnt diplomatisch bei der Roma und auf deren Sport-Areal Trigoria. Monchi führt bereits Gespräche, vorgestellt wurde er bereits, und er arbeitet wohl daran, "Mister" Spalletti zum Bleiben zu bewegen, auch wenn die tifosi eher dessen Abschied herbeireden. Immerhin, clever, Monchi Verdejo will Francesco Totti als Legende und Insider im Sportvorstand einbinden - als eine Art "Assistent oder Trainee". Allein die Tatsache, dass Inter Mailand Daniele de Rossi, gleich nach Totti eine andere Identifikationsfigur, ein Angebot unterbreitete - dieser dann auch noch darüber nachdachte, sorgte bereits für Frust und Hass in den Fan-Foren. Und diese gibt es in Italien zuhauf. Diese Themen werden dann regional und überregional in den "Socials" rauf und runter gebetet.
 
Fußballer, so denken die Fans nicht nur in Deutschland, verdienen viel, und müssten sich dementsprechend benehmen oder eben, viel aushalten. Unfein bis geschmacklos waren zwar in Deutschland einige Fan-Choreografien, doch die Roma-Fans sorgten abermals für einen Eklat: Auf einer kleinen Brücke, dem Fußgängerüberweg, nah des Colosseums, baumelten vier mannsgroße Puppen wie Marionetten herunter, und auf einem gespannten Banner stand in großen Lettern geschrieben: "Nur ein Rat, kein Angriff: schlaft am besten bei eingeschaltetem Licht". Drei der Marionetten, die von der Brücke baumelten, trugen die Trikots mit den Namen von De Rossi, Salah und Nainggolan – die vierte Puppe war nackt.

Am Samstagabend bekannten sich die Lazio-Ultras zur makabren Aktion, bis dato hatten alle Fans und Medien gerätselt, welche tifosi es gewesen seien, die Gelb-Roten aus Frust über die Derbyniederlage oder doch die Laziali? Die Ultras der "Irriducibili", der Unbeugsamen, bekannten sich mit einer Mitteilung an die Medien dazu.

Hier, so sind sich alle einig, sei eine Grenze überschritten bei aller Rivalität. Und, die Hauptstadt habe ein ganz anderes Problem, wenn Fans(?) eine solche Aktion gegen 23 Uhr in aller Öffentlichkeit durchziehen könnten.


Giovanni Deriu, 45, beobachtet den italienischen Fußball als Insider, ist Journalist, und analysiert Biografien.



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