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BUCHTIPP
Zwei Strategen in der Champions League
Real Madrid mit Zidane trifft auf Jürgen Klopps FC Liverpool - im Finale von Kiew in der Ukraine. Von Giovanni Deriu.

 

Buchcover Die Zeit der StrategenDas Buchcover von "Die Zeit der Strategen"

 

Das Finale der zwei Systeme, und der Trainer, die schon von ihrer Biografie unterschiedlicher nicht sein könnten. Hier die "Königlichen" von Real Madrid, quasi zweimaliger Titelverteidiger, mit Cristiano Ronaldo und Toni Kroos, oder Luca Modric und Marcelo, sowie ihrem Trainer Zinedine Zidane, der damals für die "Galaktischen" von Real spielte, und selbst den 7. Champions-League-Titel gewann - mit einem Traumtor gegen Bayer Leverkusen anno 2002.

Zidane steht für Weltklasseprofi und Weltmeister, und professionell mit "allen Wassern gewaschen". Diesen Trainer, so scheint es, überrascht wenig.

Auf der anderen Seite der deutsche Trainer und hemdsärmelige Typ und "Motivator" des FC Liverpool. Die Beatles-Stadt und die ganze "Anfield Road" lieben ihren "Jüürdschän". 

Jürgen Klopp hat dem FC Liverpool seit seiner Ankunft neues Leben und damit ein neues "Selbstwertgefühl" eingehaucht. Unter Clubs wie ManU, ManCity, Chelsea und Arsenal London sowie Tottenham, nimmt Liverpool stets die Underdog-Stellung ein, obwohl auch die Reds Geld in die Hand nahmen.

Real tut gut daran, Liverpool nicht zu unterschätzen, denn die Spieler wie Mohamed Salah (nun weit über 70 Mio Euro Wert), Firmino oder Wijnaldum sowie Manè, haben Klopps Philosophie des "Vollgasfußballs" (auch ein weiterer Buchtitel) total verinnerlicht. Klopp hat sein ehemaliges Spiel, mit dem der Deutsche in Dortmund zweimal Meister wurde, in England sogar noch perfektioniert. Aufgeben? Ist nicht. 

Der FC Liverpool von Klopp ist ballsicher auf (fast) allen Positionen, konditionell laufstark, und "Kloppo" selbst pushed sein Team, nonstop, selbst wenn es sicher vorn liegt! 

Wie lässt sich Jürgen Klopp, im sehr gut recherchierten Buch, "Die Zeit der Strategen", Autor Tobias Escher (Verlag rororo), zitieren? "Fußball ist kein Hexenwerk. Es geht nicht darum, was man macht, sondern wie oft und konsequent man es durchzieht."

Klopp und sein Trainerteam setzen sehr viel auf visuelles Analysieren - schon zu BVB Zeiten. Kloppos Art begeisterte in Dortmund alle Mitarbeiter und genauso ist es in Liverpool. Er bezieht jeden mit ein. Dessen Fundamente, so recherchierte Kollege Tobias Escher: "Die Zeit der Strategen", seien Fachwissen und Teambuilding.

Einst ließ Klopp in Dortmund sein Team einen "internen Vertrag" unterschreiben, was er von jedem einzelnen "erwarte", darunter Punkte wie, Einsatz, und den bedingungslos, leidenschaftliche Besessenheit, sowie individuelle Verantwortung für das Team zu übernehmen, um nur ein paar Punkte zu erwähnen. In Liverpool hat er diese Mentalität ebenfalls implementiert. Das Team folgt ihm.

Dass ausgerechnet jetzt, Wochen vor dem Finale, und möglichen Erfolg, Unstimmigkeiten mit Klopps Assistenten und "Freund" Zeljko Buvač auftraten, wirft Fragen auf, aber fokussiert bleibt das Team dennoch.

Wahrscheinlich werden die Reds jedoch nicht so euphorisch offensiv loslegen, als gäbe es kein Morgen mehr, wie damals im ersten Europa-League-Finale der Reds mit Kloppo: gegen Sevilla wurde das Team dann binnen weniger Minuten zerlegt.

Die Abwehr ist bis heute sehr vielen Schwankungen unterlegen. Das dürfte ein Ansatzpunkt für Real mit Zidane sein.

Was soll Real aus der Ruhe bringen, der Club, das Team, der Trainer selbst, verströmen diese Aura der "Siegesgewissheit", egal wer kommt.

Zidane hat als Spieler alles erreicht, er führte Frankreich zum Weltmeistertitel und gewann die Champions-League bereits als Spieler. 

Zidane schwärmt von Trainer Carlo Ancelotti, sieht sich durch den Italiener stark beeinflusst.
Groß überzeugen musste Zidane sein Starensemble nicht. Als Weltprofi noch bekannt, besitzt Zidane ein erfolgreiches Charisma, und kommt dennoch "leise" daher.

Dass sich Cristiano "CR7" nur ungern Kritik stellt, hat mit seinem Ego, seinen Erfolgen und dessen Trainingseifer zu tun. Ancelotti wie Zidane hoben bereits mehrmals hervor, dass sie kaum einen "fleißigeren" Spieler erlebt haben.

Nichtsdestotrotz, durch die Blume musste Zidane Cristiano doch überzeugen, seine Freistoßschusstechnik zu hinterfragen. Und wie? Zidane, ehemals selbst ein Freistoßschütze und Experte, machte nach dem Training einfach ein Wettschießen mit Ronaldo - und gewann! 

Das überzeugte selbst den Portugiesen. Überhaupt, ist aus Ronaldo unter Zidane fast ein Mittelstürmer geworden, mal hängend, mal zentral, je nachdem wie sich Benzema und andere bewegen - auch Ronaldo wird nicht jünger - aber diese Torgefahr, möchten das Team und Zidane nutzen. Luca Modric und Kroos, genauso Marcelo oder Isco, wissen Cristiano in Position zu bringen.

Vergessen ist auch Zidanes "Kopfstoß" gegen Materazzi im WM-Finale von 2006.
Auch lernte dazu, wie man negative Emotionen in Erfolg umwandelt. So wundert es nicht, dass der "emotionale" Franzose sich selbst konditioniert, und vom gesamten Team "Disziplin" und Respekt eingefordert hat.

Zidanes Standing in Spanien allgemein? Fragen wir einen ehemaligen Kollegen und Journalisten, außerdem seit über 15 Jahren in Spanien, Dietmar Förster. Der Journalist und Fußballfachmann meint: 

"Zidane ist in Spanien anerkannt als Fußballlegende, und absolute Respektsperson. Sollte er zum dritten Mal die Champions-League in Folge gewinnen", so Förster, würde Zidane in die "ewige Geschichte des Vereins" eingehen.

Gespräche verlaufen auf "Augenhöhe", so Kroos und viele andere Spieler überzeugend.

Die Abwehr um Ramos und Marcelo steht meist sicher, und auch wenn es heißt, Zidane sei mehr "Praktiker" denn Theoretiker, neben einer starken Kondition, benötigt das Real-System stets intelligente Spieler.

Positions- und Systemwechsel werden oft je nach Situation selbstständig vorgenommen. Besprochen und eingeübt hat es Zidane dann bereits weit vor dem Finale, am Samstag, in Kiew...

#BuchTipp: Definitiv gehört dieses Buch nicht nur in unsere Bibliothek, von Tobias Escher: "Die Zeit der Strategen", erschienen bei www.rororo.de / 

Neben Klopp und Zidane werden noch bekannte Trainer wie Thomas Tuchel (PSG nun), Julian Nagelsmann, Jogi Löw sowie Peter Bosz oder Marcelo Bielsa, Guardiola und Antonio Conte (hier erkannten wir selbst unsere langen Analysen und Bezüge wieder: checkfussballberater.de) sehr gut und tief näher gebracht.

 



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