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ITALIEN
Antonio Conte unterschreibt bei Inter
Italien: Das Trainerkarussell dreht sich weiter in der Serie A. Wen holt Juventus Turin? Von Giovanni Deriu.

 

Antonio ConteAntonio Conte. Foto Pixathlon

 

Dem jungen und smarten chinesischen Inter-Präsidenten Steven Zhang ist ein Coup gelungen, den ehemaligen italienischen Nationaltrainer Antonio Conte, nach Mailand zu lotsen. Antonio Conte, 49, um den sich auch sein ehemaliger Arbeitgeber Juventus Turin bemüht hatte (Massimiliano Allegri musst ja jüngst trotz fünf Meisterschaften in Folge gehen), gab sich sehr zufrieden, und sagte zu den Medienvertretern: „Ein neues Kapitel beginnt!“ – fast schon eine Aufforderung an sich selbst und an den Welt-Club Inter Mailand. Juventus Turin ist bisher acht Mal in Folge italienischer Meister geworden, und bevor Allegri kam, hatte bereits Antonio Conte drei Mal den Scudetto gewonnen.

Conte wurde danach Nationaltrainer, und auch bei dieser ehrenvollen Tätigkeit hinterließ er seine Handschrift. Die Squadra Azzurra spielte attraktiv und machte die Fußballnation wieder stolz. Der emotionale Südländer hauchte der Nationalelf wieder Leben und Passion ein. Dass Antonio Conte ein Winner-Typ ist, zeigte er auch beim FC Chelsea in England. London lag ihm zumindest zwei Jahre zu Füßen, die Premier League ergötzte sich am Derwisch in der Coaching-Zone. Als Meister (gleich im ersten Jahr) und Pokalsieger, verließ Conte später Chelsea, auch weil er sich ein bisschen mit dem russischen Präsidenten und Oligarchen Roman Abramowitsch überworfen hatte. Conte forderte weitere Topspieler für die Mission Champions-League, der Präsident jedoch sah keinen Handlungsbedarf.

Conte, der seine Teams diszipliniert sehen will und ein paar Systeme variabel spielen lässt (ein 3-5-2, genauso wie ein 3-4-3 oder 5-3-2), hat Steven Zhang auch gleich eine Wunschliste präsentiert. Und, Conte wäre nicht Conte, wenn er nicht auch gleich (untaugliche) Spieler streichen würde. Der Argentinier Mauro Icardi, gelernter Stürmer mit einem exponierenden Hang zum Gossip und Showbiz, könnte verkauft werden. Für Antonio Conte, an dem auch Real Madrid vor einem Jahr dran war, gilt immer die eiserne Regel: „Jeder Spieler muss sich dem großen Ganzen, dem Team, unterordnen…“, eine Primadonna wie Icardi im Team zu domestizieren? Diese Geduld möchte Conte nicht aufbringen. Auch hält der italienische Meistercoach nichts von Extravaganzen.

Daran ist nämlich auch Vorgänger Luciano Spalletti letztendlich gescheitert. Er bekam Icardi nicht in den Griff, als es darauf ankam, lange spielte Inter, wie auch im vergangenen Jahr mit Juve und Neapel um die Meisterschaft mit, ehe beide Clubs davonzogen. Wegen Icardi ist die Inter-Tifoseria total gespalten.

Dennoch vermochte es Präsident Zhang, für einen sauberen und netten Abschied zu sorgen. Via Instagram und Twitter bescheinigte Steven Zhan „Mister Spalletti“ viele Sympathien von ganz tiefem Herzen, und er (Spalletti) würde immer auch ein Freund von Inter Mailand bleiben. Immerhin, zwei Mal hintereinander können die Schwarzblauen, die nerazzurri, für die Champions-League buchen.

Antonio Conte freut sich nun, dass es bei Inter klappte, und er in die "Inter-Famiglia" aufgenommen wurde. Was beide vereint, den Trainer und den großen Traditionsclub: Conte möchte, genauso wie Inter Mailand, immer gewinnen. Der erste Schritt ist getan. Rund 30 Millionen mit Bonus, verdient der Süditaliener im Norden. Mit Steven Zhang und den anderen Direktoren wird Conte morgen in Madrid sein, um dem Champions-League-Finale beizuwohnen. Ein erster Vorgeschmack, was sich Inter wünscht. Conte sowieso.

Szenenwechsel. In der Autostadt Turin möchte der Vorstand um Andrea Agnelli und Pavel Nedved noch für eine Trainersensation auf der Bank sorgen. Das Ziel ist, wie jedes Jahr auch hier, das Finale in der Champions-League.

Das Trainerkarussell dreht sich noch mit Schwung, der frische Europa-League-Sieger mit Chelsea, Maurizio Sarri (60), steht bei Juventus zwar hoch im Kurs, doch auch an Pep Guardiola bleibt der Rekordmeister anscheinend noch dran (obwohl Pep bereits mehrmals dementierte). Es wird wohl darauf ankommen, wie Manchester City weiter planen kann, und ob der Club noch harsch bestraft wird, von der Uefa. Wie dem auch sei, Juventus wird nicht leer ausgehen, Pep Guardiola hatte Trainer Sarri einst für dessen Spielweise bei der SSC Napoli geadelt.

Giovanni Deriu, Kenner des italienischen Fußballs, beobachtet die Serie A seit vielen Jahren.

 



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