Zurück  |  

KOLUMNE
Eigentlich ist es unmöglich! Aber weil ihr es seid haben wir eine Chance!
Der FC Liverpool hat die Champions League gewonnen und Jürgen Klopp hat sich zum König von Europa gekrönt. Von Samira Samii

 

Sportmanagerin & Rund-Kolumnistin Dr. Samira Samii Sportmanagerin & Rund-Kolumnistin Samira Samii

 

Was war das für ein Finalabend? Jürgen Klopp hat mit dem FC Liverpool die Champions League gewonnen.

Die Reds entschieden das Finale in Madrid gegen Tottenham Hotspur mit 2:0 (1:0) für sich und gewinnen den Pokal bereits zum sechsten Mal.

Als fairer Sportsmann umarmt er im Moment seines größten Triumphs zuerst seinen Kollegen Mauricio Pochettino von Tottenham Hotspur und erst dann brachen die Emotionen aus ihm heraus. Er nahm jeden seiner „Jungs“, seiner „Giants“ in den Arm, küsste sie und klopfte sich vor der Liverpooler Fankurve immer wieder auf seine Heldenbrust. 

Jürgen Klopp und seine „Jungs“ des FC Liverpool haben endlich den lang ersehnten Titel in der Champions League gewonnen. Das Endspiel von Madrid im Estadio Wanda Metropolitano war vor 62.000 Zuschauer sportlich leider nicht sehr hochklassig, aber am Ende siegte der Favorit mit 2:0 (1:0) gegen den englischen Premier-League-Rivalen Tottenham Hotspur. Ein sehr frühes Elfmetertor von Mohamed Salah in der zweiten Minute und ein später Treffer von Divock Origi drei Minuten vor Schluß bescherten den Reds nach zwei verlorenen Europacup-Endspielen 2016 und 2018 sowie dem zweiten Platz in der englischen Meisterschaft die verdiente erste Trophäe der Ära Klopp. 

 

Klopp: „Für die Familie, die Fans. Sie mussten so lange leiden“

 

Aber wie lange mussten wir, mussten die Fans und musste Jürgen Klopp auf diesen Triumph warten und leiden. Jürgen Klopp hat mit Borussia Dortmund und dem FC Liverpool die letzten sechs Endspiele verloren und musste jeweils als Verlierer an den Pokalen vorbei gehen. Besonders schlimm waren die Niederlagen im Finale der Euroleague 2016 und der Championsleague 2018. Doch jetzt hat sich Jürgen Klopp selbst zum König von Europe gekrönt. Zur Kulthymne des FC Liverpool „You'll never walk alone“ stemmte Jürgen Klopp den Henkelpokal in den Nachthimmel von Madrid und schrie seine Freude heraus. Dann wurde er von seinen „Jungs“ zur Fankurve getragen und in die Höhe geworfen. „Unglaublich. Das war nicht das beste Spiel von Tottenham, nicht das beste von Liverpool. Ich finde keine Worte, ich bin sprachlos. Ich war in so vielen Finals und habe sie verloren. Das ist für meine Familie, für die Fans. Sie mussten so lange leiden“, sagte er später.

Das Endspiel war spannend, aber wenig hochklassig und wundervoll. Die Wunder geschahen alle in den Halbfinals. Hier holten Tottenham im Rückspiel einen Drei-Tore-Rückstand gegen Ajax Amsterdam auf und der FC Liverpool ging mit einem 0:3 gegen Lionel Messi und seinem FC Barcelona in das Rückspiel. Und was machte Jürgen Klopp vor dem Rückspiel? Er motivierte seine Spieler mit dem mittlerweile berühmten Kultsatz: „Jungs, die Wende ist unmöglich. Aber weil ihr es seid, glaube ich doch daran.“ Und am Ende gewinnt Klopp mit seinen Jungs das Rückspiel mit 4:0 und machte erst mit diesem Fußballwunder das Finale möglich. 

Lieber Jürgen, es ist schön die so lange und gut zu kennen und ich gratuliere dir von ganzem Herzen zu deinem größten Erfolg. Du bist nun offiziell einer der besten Trainer der Welt, erst der zweite deutsche Trainer nach Jupp Heynckes der mit einem ausländischen Klub die Champions League gewinnt und mit Ottmar Hitzfeld erst der dritte deutsche Trainer überhaupt. Du bist „the normal one“, wie du selber einmal sagtest und vielleicht der coolste Typ und der sympathischste Mensch, den ich in diesem Business je kennengelernt habe. Selbst ein anderer Großer, the special one, Jose Morinho weiß das und sagte nach dem gewonnen Halbfinale voller Bewunderung: „Das hat nichts mit Taktik zu tun. Es geht um Herz und Leidenschaft und Empathie. Das reflektiert Klopps Persönlichkeit. Und die Spieler geben alles für so einen Trainer.“

Was würden wir Deutschen alles für so einen Trainer geben, damit er wieder zurück nach Deutschland kommt? Vielleicht als Trainer des FC Bayern … oder der Nationalmannschaft?



Zurück  |