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INTERVIEW TEIL 1
„Boah, alles aus meinem Körper herausgeholt“
Niemand hat mehr Zweitligaspiele bestritten als Willi Landgraf. Lesen Sie in Teil 1 des Interviews, wann Willi Landgraf seine Mitspieler aufrütteln muss, wie es den Kindern in seiner Straße in Bottrop geht und warum sich der Rekordhalter das alles mit 40 Jahren noch antut. Interview Matthias Greulich.

Willi Landgraf
Bis 2006 ein Aachener: Willi Landgraf Foto: Alemannia Aachen


Gelsenkirchen, Geschäftsstelle von Schalke 04. „Landgraf mein Name“, stellt er sich laut und deutlich vor. Willi Landgraf, Jahrgang 1968, 508 Zweitligaspiele und damit ewiger Rekordhalter, strahlt. Er klatscht den Interviewer ab, in der anderen Hand hält er ein Sportgetränk. Orangenes Polohemd, dreiviertellange Bermuda-Shorts. Er wirkt jünger, vielleicht liegt es daran, dass er zum Zeitpunkt des Interviews im August 2008 immer noch mit 18, 19-Jährigen zusammenspielt. In der Regionalliga. 

RUND: Herr Landgraf, wie fühlen Sie sich?
Willi Landgraf: Ich fühle mich gut, ich habe sehr gute Werte. Das wird auf jeden Fall meine letzte Saison werden. Und dafür habe ich mich richtig vorbereitet. Ich habe schon zwei Wochen vor dem Trainingsbeginn angefangen. Und ich glaube, ich habe dem Trainer gezeigt, dass ich noch mal sehr wichtig werden kann. Besonders in dieser Phase, wo wir in die Regionalliga aufgestiegen sind. Wir haben eine sehr junge Truppe – wenn ich mich mal jetzt ausklammere. Mit 29a.

RUND: Sie spielen mit der Zweiten von Schalke 04. Sind Sie nach den Spielen nicht kaputter als früher?
Willi Landgraf: Nach Spielen ist es schon so, dass man länger braucht, um zu regenerieren. Aber das ist kein Problem. Ich find das schön, nach dem Training oder Spiel so richtig kaputt zu sein, und zu sagen: Boah, ich habe alles aus meinem Körper herausgeholt. Das ist ein schönes Gefühl. Oder jetzt in der Vorbereitung. Man ist so richtig down, man ist kaputt. Aber trotzdem bist du irgendwie richtig glücklich darüber.

RUND: Fahren Sie am Freitag zum Spiel der Schalker Bundesligaprofis nach Aachen?
Willi Landgraf: Das habe ich mir ganz dick im Kalender angestrichen. Ich habe sehr gute Kontakte nach Aachen. Weil mein alter Spezi Erik Meijer da arbeitet. Er kümmert sich um die Anleihen für das neue Stadion, die man kaufen kann.

RUND: In dem Buch über Sie „Nie mehr Zweite Liga“ klang es fast so, als würden Sie irgendwann dorthin zurückkommen.
Willi Landgraf: Ich bin jetzt schon das dritte Jahr auf Schalke. Ich kenne hier das Drumherum und alles. Das macht auch unheimlich viel Spaß. Ich muss das von Jahr zu Jahr sehen. Ich habe es letztes Jahr schon gesagt: Dann gehe ich vielleicht wieder zurück nach Aachen und jetzt bin ich wieder auf Schalke. Das Fußballgeschäft ist so schnelllebig. Ich bin gerne in Aachen und ich bin auch gerne hier. Man weiß nie, was kommt.


Nie mehr zweite Liga


RUND: Sie haben jetzt eine Kinderfußballschule „Willis Revier“.
Willi Landgraf: Das mache ich zusammen mit der Zeitung „Reviersport“, die mich beim Organisatorischen unterstützt. Ich bin auch vor Ort. Wir haben Trainer von Schalke 04. Ich will, dass die Kinder das bestmögliche Training bekommen, da achte ich schon drauf. Manchmal hat man Glück, dass sogar zwei, drei Talente darunter sind. Da guckt man eigentlich nicht so danach, aber sie können ruhig mal sehen, wie es bei einem Probetraining auf Schalke zugeht. Warum sollte ich den Kindern das verbauen?

RUND: Schenken Sie den Kindern in Ihrer Straße noch Eintrittskarten für Ihre Spiele?
Willi Landgraf: Nein, eigentlich nicht mehr. Viele der Kinder aus meiner Straße sind manchmal beim Camp dabei. Die sprechen mich natürlich auch darauf an. Bei mir in der Straße in Bottrop ist Schalke natürlich das A und O. Die Kinder kennen mich. Ich muss sagen, das macht mir auch unheimlich Spaß.

RUND: Werden Sie eigentlich auch mal böse?
Willi Landgraf: Die neuen Spieler kennen mich ja noch nicht, wenn ich mal böse werde. Ich bin öfter mal in die Kabine gekommen, wenn wir mal zurückgelegen haben. Da brauchte der Trainer gar nicht viel sagen. Da ist mir schon zwei, drei Mal die Ader geplatzt. Man kann das aber nicht zu oft machen, weil sich das abnutzt. Aber das hilft manchmal. Die haben sehr viel Respekt. Die Jungs wissen, worauf es ankommt. Sie haben eine sehr gute Disziplin. Da muss man nicht soviel sagen. Aber manchmal muss man sie aufrütteln.

RUND: Die Generation wird als ein bisschen zu nett beschrieben, beispielsweise in der Nationalelf.
Willi Landgraf: Lieb und nett ist ja manchmal nicht so gut. Im Fußballgeschäft passt das nicht so wirklich. Wenn ich mit meiner Freundin ausgehe, dann kann ich lieb und nett sein. Wenn ich auf den Fußballplatz gehe, muss ich besessen sein. Dann muss ich etwas Aggressivität mitbringen. Aber so ist eben die Generation. Ich merke das ja selber, weil ich immer mit so jungen Burschen zusammen bin. Man muss da mitgehen, aber trotzdem muss man sie immer mal wieder wachrütteln.

 

Lesen Sie morgen Teil 2 des Interviews was Willi Landgraf über die aktuelle Zweite Liga und Alemannia Aachen denkt.



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