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HSV-FRIEDHOF
Auf ewig dabei
Anneliese Leinert war seit 30 Jahren Fan des Hamburger SV. Jetzt wurde sie mit 74 Jahren auf dem neu eröffneten HSV-Friedhof in Nähe des Stadions beerdigt. Vielen Anhängern ist der neue Service allerdings zu extrem – auch Uwe Seeler würde sich nicht auf dem Vereinsfriedhof bestatten lassen wollen. Von Justus Meyer.

 
HSV-Fans
Lebenslange Treue – aber auch über den Tod hinaus? Der
 
HSV-Friedhof wird auch unter den eigenen Anhängern kritisch gesehen Foto Hoch Zwei



Der Sarg mit der Raute wird langsam zum Friedhof getragen. Die Trauergemeinde stimmt einen Fangesang an, der Verstorbene selbst hatte sich das Lied „Hamburg, meine Perle“ gewünscht und auf einer Leinwand flimmern Bilder des Europapokalsiegs von 1983. „Er hätte es so gewollt“, sagt einer der Gäste. Die Umstehenden nicken. Einige halten ihren HSV-Schal vor dem Grab in die Höhe.


Bei der ersten Beisetzung auf dem Vereins-Friedhof war dann alles ganz anders. Eine kleine Trauergemeinde, überwiegend in schwarz gekleidet, trug die 74-jährig verstorbene Anneliese Leinert zu Grabe. Die alte Dame war seit dreißig Jahren HSV-Fan und seit fünf Jahren Vereinsmitglied. Südtribüne Oberrang – ihr Platz im Stadion, auf dem sie mit einem 1982-er HSV-Trikot und Kevin-Keegan-Schal saß. Nun bleibt sie „in unmittelbarer Nähe auf Ewigkeit dabei,“ so HSV-Vorstandsmitglied Christian Reichert. Die Idee, sie auf dem HSV-Friedhof zu bestatten, hatte ihr Sohn.

Als erster Klub in Europa hat der Klub jetzt einen eigenen Fan-Friedhof. Das Gelände liegt neben der HSH Nordbank Arena – mit Blick auf die Westtribüne.

„Wahre Leidenschaft kennt keinen Abpfiff“, so wirbt eines der vom Verein lizenzierten Bestattungsunternehmen für eine letzte Ruhestätte auf dem HSV-Friedhof. Für 2400 Euro gibt es eine Grabstätte für 25 Jahre – inklusive HSV-Sarg in schwarz-weiß-blau. Und an Vorbestellungen, die Reichert „Initiativbewerbungen“ nennt, mangelt es nicht, seitdem am 9. September der in Form eines Stadionovals angelegte Friedhof mit 500 Plätzen seine Pforten öffnete. Das zuständige Bezirksamt Altona hat zur Bedingung gemacht, dass die Verstorbenen Vereinsmitglied gewesen sein müssen.


Ob die Fans des Hamburger Bundesligisten ihrem Verein auch nach dem Tod so nah sein müssen, wird durchaus kritisch gesehen. HSV-Idol Uwe Seeler kann sich jedenfalls nicht vorstellen, auf dem Friedhof seines Vereins die letzte Ruhe zu finden. „Wenn es solche Anhänger gibt, die das wollen, meinetwegen. Aber vielleicht ist das auch ein bisschen viel des Guten.“

In Argentinien haben sie gute Erfahrungen mit einem Vereinsfriedhof gemacht. Vor zwei Jahren eröffnete der Traditionsclub Boca Juniors Buenos Aires einen Friedhof mit zunächst 3000 Plätzen auf dem bereits zwei ehemalige Spieler bestattet wurden. Viele Fans zogen nach. Verein und die Bestattungsunternehmen verdienen etwas Geld mit der Sache. In den Augen vieler Fans ist der Friedhof deshalb bloße Geschäftemacherei. Gäbe es die Grabstätte allerdings gratis für langjährige Vereinsmitglieder, würden viele dennoch gerne neben ihren Idolen liegen. Vielleicht sogar eines Tages neben Maradona, dem bereits eine Grabstätte geschenkt wurde.

Die Fans der Rothosen werden wohl nicht zu dieser Ehre kommen, es sei denn Uwe Seeler würde seine Meinung ändern. Immerhin: Der langjährige Abteilungsleiter und Aufsichtsrat beim HSV, Horst Eberstein, hat bereits sein Interesse bekundet. Und was sagt seine Frau dazu? „Die hat das zur Kenntnis genommen,“ so Eberstein.


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